Am vergangenen Mittwoch war ich spät abends auf der Heimreise von einer Mentorenschulung in Stockholm, als plötzlich mehrere Sekunden lang rumpelnd-schleifend-schmatzend-polternde Geräusche auftraten und unser Schnellzug aus voller Fahrt irgendwo in der schwedischen Walachei anhielt und stehen blieb. Es wurde totenstill im Großraumwagen, alle blickten von ihren Büchern auf, zogen Stöpsel aus den Ohren, schauten sich mit besorgten Mienen an. Nach einer Viertelstunde kam die Durchsage des Lokführers: Ein Elch habe auf der Strecke gestanden. Der Zug sei beschädigt worden und man habe Druckverlust in diversen Systemen. Diese Ansage hatte ein interessantes Ballett im Großraumwagen zur Folge, erst gab es große Erheiterung, als wolle man Hüte in die Luft werfen, dann griffen alle synchron in ihre Mantel- und Handtaschen, um das Handy rauszuholen. Während die eine Hälfte telefonierte, tippte die andere fleißig sms oder auf Facebook. Mir war gar nicht so wohl, denn ich sah mich schon im Geiste irgendwo in der Wildnis neben einem zerfetzen Elchkadaver übernachten, denn wir waren noch weit, weit weg von zu Hause. Doch mit einem hatte ich nicht gerechnet: schwedische Lokführer sind schwer auf Draht. Wahrscheinlich muss man bei der schwedischen Staatsbahn einen extra Elchkollosionstest absolvieren, bevor man auf die Schiene gelassen wird, und vermutlich gibt es auch in jeder Lok einen besonderen Elchnotfallwerkzeugkoffer. Auf jeden Fall hat der gute Mann alle Leckagen wieder beseitigt bekommen, und die abgerissene Zugfront hat er mit Elchtape wieder so festgekriegt, dass wir nach getaner Arbeit mit voller Geschwindigkeit nach Göteborg brausen konnten.
Übrigens: Die Lok stank im Göteborger Sackbahnhof noch so derartig nach Elch, dass meine Kleider in den wenigen Minuten, die ich zum Fotografieren dastand, den Geruch aufgenommen haben müssen. Denn als ich heimkam, wurde unser Elchhund Zera sehr nervös - sie wollte auf der Stelle jagen gehen...
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