Wir haben noch gar keine Zeit gehabt, über das größte Fest im Leben des Schweden zu reden: Das Abitur. Naja ok, Hochzeit ist vielleicht noch 'n bisschen größer, aber weil eh kaum noch jemand heiratet in diesem Land, wird das Abitur wohl zum größten Fest des Lebens. Vor einem Monat hatten wir unser eigenes Debut in dieser schwedischen Tradition. Ole hat "den Studenten genommen", wie man hier zu sagen pflegt - oder auf gut deutsch: ABI 2014.
Das Ganze beginnt mit dem "Raussprung": Sämtliche Freunde und Familienmitglieder drängeln und quetschen sich auf dem Schulhof vor dem Haupteingang. Für jeden Abiturienten hält jede Familie ein eigens angefertigtes Studentenbild stolz in die Luft, meist mit einem Kleinkinderbild desjenigen versehen. Klasse um Klasse wird dann nacheinander herausgelassen, welche unter lautem Jubelgeschrei den Laufsteg entlang zur Bühne rennt, um dort eine kurze Freudenshow mit Musik, Tanz oder Konfettifeuerwerk zu liefern.
Anschließend werden wahrscheinlich eine Million Gratulationen ausgespochen und noch mehr Fotos geschossen. Und da warten sie auch auch schon, die Studentenpritschen. Die ganze Straße ist so vollgestopft mit wartenden Lastwagen und Sattelschleppern, dass sie einem deutschen Stau alle Ehre machen. Der Unterschied zu deutschen Lastern im Stau ist, dass diese selten geschmückt und jeweils mit 1MW Musikanlage samt DJ ausgestattet ist.
Egal, wie schön das Wetter ist, von den Pritschen regnet es immer. Sekt und Champagner. So gurken die Laster denn stundenlang durch die Stadt und eine Station scheint Pflicht zu sein: Der große Brunnen am Götaplatz, wo die frischgebackenen Studenten traditionsgemäß ein bekleidetes Bad nehmen.
Zu Hause ist derweil alles vorbereitet, denn heute muss Haus der offenen Tür sein. Es wurde geschmückt und gebacken. Das Studentenschild am Hauseingang garantiert, dass heute hier jeder willkommen ist. Freunde, Nachbarn, eigentlich jeder. Zum Glück bringt jeder Gast nach ungeschriebenen Gesetz seinen Alkohol grundsätzlich selber mit, deutsche Festgesetze könnten einen das ganze Vermögen kosten. Meist bleibt der Besuch zwar nur kurz, weil es ja noch jede andere Studentenfest gibt, die es abzuklappern gilt.
Irgendwann taucht der Ehrengast dann auch auf, doch meist nur, um seine nassen Kleider zu wechseln und eine kurze Rede zu halten. Dann muss man wieder weg zum Weiterfeiern mit den anderen Studenten. Wie morgen und übermorgen wahrscheinlich auch.
Nun ist es aber so, dass unsere Kinder kein schwedisches, sondern internationales Abi in Schweden machen. Das nennt sich auf der ganzen Welt IB. Das IB-Abi ist international genormt, z.B. bekommen alle Schüler auf der ganzen Welt die exakt gleiche Physikklausur zur exakt selben Zeit vorgelegt - Schummeln zwischen den Zeitzonen ist nicht möglich. Diese Prüfungen zählen ca. 3/4 der Endnote. Alle Schüler und Lehrer waren sich 2014 einig, dass einige Prüfungen ungewöhnlich schwer ausgefallen sind. Nach diesen finalen Examenswochen werden alle Prüfungen wahllos in die ganze Welt geschickt und von jeweils drei Lehrern benotet, die weder den Schüler noch sich gegenseitig kennen. Die Note steht fest, sobald drei Lehrer dieselbe Note geben.
Das dauert natürlich. Entsprechend haben Ole und seine Klassenkameraden ihr Abi gefeiert, ohne zu wissen, ob und wie sie überhaupt bestanden haben. Erst gestern wurden die Ergebnisse bekannt gegeben. Online, wieder international für alle zur exakt selben Zeit. Ein spannender Moment. Und ein Augenblick großer Erleichterung: Ole hat in der Geamtnote sogar zwei Punkte mehr, als er als bestmögliche Note zu hoffen gewagt hatte. Ein sehenswertes Resultat. Herzlichen Glückwunsch!!!
Abi ist hier echt eine Festwoche - aber wir haben es schätzen gelernt. War lustig. Wir freuen uns auf 2016, wenn der nächste an der Reihe ist.
Das Ganze beginnt mit dem "Raussprung": Sämtliche Freunde und Familienmitglieder drängeln und quetschen sich auf dem Schulhof vor dem Haupteingang. Für jeden Abiturienten hält jede Familie ein eigens angefertigtes Studentenbild stolz in die Luft, meist mit einem Kleinkinderbild desjenigen versehen. Klasse um Klasse wird dann nacheinander herausgelassen, welche unter lautem Jubelgeschrei den Laufsteg entlang zur Bühne rennt, um dort eine kurze Freudenshow mit Musik, Tanz oder Konfettifeuerwerk zu liefern.
Anschließend werden wahrscheinlich eine Million Gratulationen ausgespochen und noch mehr Fotos geschossen. Und da warten sie auch auch schon, die Studentenpritschen. Die ganze Straße ist so vollgestopft mit wartenden Lastwagen und Sattelschleppern, dass sie einem deutschen Stau alle Ehre machen. Der Unterschied zu deutschen Lastern im Stau ist, dass diese selten geschmückt und jeweils mit 1MW Musikanlage samt DJ ausgestattet ist.
Egal, wie schön das Wetter ist, von den Pritschen regnet es immer. Sekt und Champagner. So gurken die Laster denn stundenlang durch die Stadt und eine Station scheint Pflicht zu sein: Der große Brunnen am Götaplatz, wo die frischgebackenen Studenten traditionsgemäß ein bekleidetes Bad nehmen.
Zu Hause ist derweil alles vorbereitet, denn heute muss Haus der offenen Tür sein. Es wurde geschmückt und gebacken. Das Studentenschild am Hauseingang garantiert, dass heute hier jeder willkommen ist. Freunde, Nachbarn, eigentlich jeder. Zum Glück bringt jeder Gast nach ungeschriebenen Gesetz seinen Alkohol grundsätzlich selber mit, deutsche Festgesetze könnten einen das ganze Vermögen kosten. Meist bleibt der Besuch zwar nur kurz, weil es ja noch jede andere Studentenfest gibt, die es abzuklappern gilt.
Irgendwann taucht der Ehrengast dann auch auf, doch meist nur, um seine nassen Kleider zu wechseln und eine kurze Rede zu halten. Dann muss man wieder weg zum Weiterfeiern mit den anderen Studenten. Wie morgen und übermorgen wahrscheinlich auch.
Nun ist es aber so, dass unsere Kinder kein schwedisches, sondern internationales Abi in Schweden machen. Das nennt sich auf der ganzen Welt IB. Das IB-Abi ist international genormt, z.B. bekommen alle Schüler auf der ganzen Welt die exakt gleiche Physikklausur zur exakt selben Zeit vorgelegt - Schummeln zwischen den Zeitzonen ist nicht möglich. Diese Prüfungen zählen ca. 3/4 der Endnote. Alle Schüler und Lehrer waren sich 2014 einig, dass einige Prüfungen ungewöhnlich schwer ausgefallen sind. Nach diesen finalen Examenswochen werden alle Prüfungen wahllos in die ganze Welt geschickt und von jeweils drei Lehrern benotet, die weder den Schüler noch sich gegenseitig kennen. Die Note steht fest, sobald drei Lehrer dieselbe Note geben.
Das dauert natürlich. Entsprechend haben Ole und seine Klassenkameraden ihr Abi gefeiert, ohne zu wissen, ob und wie sie überhaupt bestanden haben. Erst gestern wurden die Ergebnisse bekannt gegeben. Online, wieder international für alle zur exakt selben Zeit. Ein spannender Moment. Und ein Augenblick großer Erleichterung: Ole hat in der Geamtnote sogar zwei Punkte mehr, als er als bestmögliche Note zu hoffen gewagt hatte. Ein sehenswertes Resultat. Herzlichen Glückwunsch!!!
Abi ist hier echt eine Festwoche - aber wir haben es schätzen gelernt. War lustig. Wir freuen uns auf 2016, wenn der nächste an der Reihe ist.




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